Ganztagsschulkongress macht Lust auf Veränderung

04.11.2011 - „In zwanzig Jahren werden wir keinen Ganztagsschulkongress, sondern einen Schulkongress haben.“ Das glauben Miriam Pech, Schulleiterin an der Heinz-Brandt-Schule in Berlin-Weißensee und Mats Ekholm, Erziehungswissenschaftler aus Schweden. Sie bereicherten mit ihren Beiträgen den 8. Ganztagsschulkongress am heutigen Freitag.

Denn Ganztagsschulen sind ein Erfolgsmodell in allen Bundesländern, ihre Zahl hat sich seit 2002 verdreifacht. Und sie sind ein Motor von Schulentwicklungen. Ganztagschulen bieten Raum für neue Lern- und Lehrkonzepte, das zeigen eindrücklich die 32 Ausstellerschulen aus allen Bundesländern, die sich auf dem Kongress vorstellen und ihre Erfahrungen weitergeben.

Viele Teilnehmer wissen aber auch zu berichten, dass es auf dem Weg zu einer guten Ganztagsschule einige Hindernisse zu bewältigen gibt. „Menschen verändern sich nicht so wahnsinnig gern“, sagte zum Beispiel Carsten Haack, Schulleiter der Theodor-Storm-Gemeinschaftsschule in Kiel, in einem Interview mit Deutschlandradio. Als seine Schule nicht nur auf Ganztagsbetrieb umstellte, sondern auch mit der benachbarten Hauptschule fusionierte, waren viele Lehrer erst einmal skeptisch. „Das Wichtigste ist, Ruhe zu bewahren und die Vision im Kopf zu behalten. An anderen Schulen Anregungen holen und dann mit den Kollegen gemeinsam, mit allen an Schule Beteiligten, träumen, wie es sein kann in zehn Jahren.“ Mittlerweile stehen die Kollegen Schlange, um im Jahrgangsteam der neuen 5. Klasse zu arbeiten.

In den Workshops und Salons wurde diskutiert, wie gute und gerechte Ganztagsschule gelingen kann. Es ging um Themen wie Rhythmisierung, Inklusion, Veränderungsmanagement und Psychische Gesundheit.
So wenig bildungspolitische Vorgaben wie nötig und so viel Gestaltungsfreiraum wie möglich wünschten sich zum Beispiel viele Schulvertreter. Schließlich starte jede Schule unter anderen Voraussetzungen.  Eine andere Verteilung von Ressourcen war eine der Vorschläge im Salon „Bildungsgerechtigkeit 2025“. „Wir müssen Ungleiches auch ungleich ausstatten. Wenn eine Ganztagsschule in einem Brennpunkt liegt, dann müssen wir dafür sorgen, dass Sie gut arbeiten kann. Und wir müssen dafür sorgen, dass die Schule nicht ihrer Schülerschaft mit Kindern und Jugendlichen aus der Mittelschicht optimiert, sondern dass alle Kinder und Jugendlichen an den Schulen gemeinsam lernen“, sagte Heiner Brülle, Sozialplaner der Stadt Wiesbaden.

Lesen Sie mehr zum Kongress auf der Seite des Programms Ideen für mehr! Ganztägig lernen.

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