Anschwung für die Vernetzung in der frühen Bildung – Ein Interview mit Axel Möller, Servicebüro Dresden

13.06.2013 – Axel Möller, stellv. Leiter des Servicebüros in Dresden, antwortet auf Fragen rund um das Programm Anschwung: Wie unterstützt das Servicebüro? Wer kann mitmachen? Und wie gründe ich eine Initiative?


1. Was sind Ihre Aufgaben im Anschwung-Servicebüro?


Als Servicebüro Dresden sind wir die Anlaufstelle für alle Akteure, die im Bereich der frühkindlichen Bildung, Betreuung und Erziehung über Zuständigkeitsgrenzen hinweg denken und zusammen arbeiten wollen. Wir unterstützen die Engagierten bei der Gründung ihrer lokalen Initiativen für frühe Chancen, sind Ansprechpartner für alle Fragen während des Arbeitsprozesses und koordinieren den Wissenstransfer der Initiativen untereinander. Zum Beispiel organisieren wir passend zu den Themenschwerpunkten der Initiativen Hospitationsreisen oder Fortbildungen. Diese praxisnahe Begleitung erleben die Initiativen als sehr bereichernd und wirkungsvoll.

2. Für wie viele Netzwerke rund um die Kindertagespflege sind Sie zuständig?

Wir begleiten aktuell über 40 Initiativen für frühe Chancen in den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Darunter befinden sich derzeit zwei Netzwerke zur Kindertagespflege. Zum Beispiel in Freital: Hier arbeiten unterdessen Tagesmütter und Verwaltung enger zusammen. Sie finden gemeinsame Antworten auf drängende Fragen wie „Wer vertritt mich als Tagesmutter bei Krankheit oder Urlaub?“ oder „Wie können wir die Kleinsten gut auf den Übergang in die Kita vorbereiten?“

3. Wie genau helfen Sie diesen Netzwerken weiter?

Wir stellen den Initiativen eine Prozessbegleitung an die Seite. Das sind Profis im Netzwerkmanagement. Mit ihren fachlichen, regionalen und auch kommunikativen Kompetenzen koordinieren und moderieren sie die Zusammenarbeit der Engagierten. Das Servicebüro ist für die Anschwung-Initiativen wichtigster Ansprechpartner: wir organisieren auf Wunsch der Initiativen Fortbildungen und Workshops oder reisen für den praxisnahen Erfahrungsaustausch zusammen mit den Akteuren in beispielhafte andere Netzwerke.

4. Kann sich jeder bei Ihnen melden, der Unterstützung beim Aufbau eines Netzwerkes sucht?

JA! Wer den fachlichen Austausch und das kooperative Miteinander im Bereich der Kindertagespflege sucht und verbessern möchte, stößt bei den Mitarbeitern unseres Servicebüros auf offene Ohren. Gemeinsam bringen wir dann die Initiative auf den Weg, geben – wie der Programmname verspricht – Anschwung.

5. Wie kann man Sie erreichen?

Unter www.anschwung.de können Interessierte über ein Kontaktformular ihr Anliegen an uns weitergeben. Wer möchte, kann auch einfach zum Hörer greifen: Die Mitarbeiter des Servicebüros sind montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr erreichbar unter Tel.: 0351/320156-59. Außerdem können Anfragen per E-Mail an mich gerichtet werden: axel.moeller [at] dkjs.de.

6. Was sind mögliche Kooperationspartner für ein Netzwerk rund um die Kindertagespflege?

Das sind die Verantwortlichen in der Kommunalen Verwaltung (Sozial- oder Jugendamt), Fachberaterinnen, andere Tagesmütter und Tagesväter, Eltern, pädagogische Fachkräfte aus Kindertageseinrichtungen und Familienzentren – also Menschen unterschiedlichster Professionen, die im frühkindlichen Bereich unterwegs sind. Das können auch mal Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Kinder- und Jugendtheatern sein.

7. Und was könnten mögliche Kooperationsformen und Themen sein?

In einer Initiative für frühe Chancen arbeiten Vertreterinnen und Vertreter aus mindestens drei Institutionen zusammen: Zum Beispiel eine Mitarbeiterin des Jugendamts, Tagesmütter und die Leitung einer Kindertageseinrichtung. Die Themen sind vielfältig und können folgende Ziele verfolgen: Tagesmütter nutzen Kita-Räume, um die Betreuungslücken in den sogenannten Randzeiten zu schließen. Oder: Das Jugendamt unterstützt Eltern stärker dabei, Betreuungsangebote bedarfsgerecht zu kombinieren. Fortbildungen zu rechtlichen und versicherungsrelevanten Themen sind für Initiativen in der Kindertagespflege ebenfalls gefragt.

8. Was sind die ersten Schritte, wenn man ein Netzwerk rund um die Kindertagespflege aufbauen möchte?

Das Beispiel einer Initiative zeigt, wie es geht: Da kamen die Amtsleiterin für Soziales, Schule und Jugend gemeinsam mit einer Mitarbeiterin aus dem Landratsamt und einer Vertreterin des Familienzentrums auf uns zu, um die Kooperation und Qualität der Kindertagespflege zu verbessern. In unserem Servicebüro haben wir zusammen mit der Prozessbegleitung das erste Netzwerktreffen organisiert. Nach dem ersten Treffen stand die entscheidende Zielvereinbarung mit den ersten Arbeitsschritten fest. Danach einigten sich die Teilnehmer der Initiative auf wichtige Meilensteine.

9. Was sind Erfolgsfaktoren?

Sind die geeigneten Methoden und Kommunikationsstrukturen zwischen der Kommune und den Fachkräften in der Kindertagespflege gefunden, dann steht einem erfolgreichen Zusammenwirken nichts mehr im Wege. Alle Beteiligten machen dann nämlich die gleiche Erfahrung: Man erreicht am meisten, wenn sich alle Engagierten für das gemeinsam formulierte Vorhaben vor Ort zusammentun, Praxiserfahrungen teilen und über Zuständigkeitsgrenzen hinweg denken.

10. Und wo liegen mögliche Stolpersteine?

Wenn Menschen aus unterschiedlichen Bereichen zusammentreffen – also aus der Verwaltung, aus einer Kita und der Kindertagespflege – nehmen die ersten Klärungsprozesse in den Arbeitstreffen manchmal mehr Zeit in Anspruch als geplant. Da braucht es Geduld, Durchhaltevermögen und Willenskraft, die gewünschte Veränderung wirklich zu vollziehen. Das schafft man eben nicht in einem Monat. Wer das erkannt hat, der stolpert nicht mehr, sondern läuft sicher ins Ziel.

Interviewpartner: Axel Möller, stellv. Leiter Servicebüro Anschwung für frühe Chancen Dresden für Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen

 

Anschwung für frühe Chancen ist ein Programm des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS). Es unterstützt Kommunen, Städte und Gemeinden, die Angebote frühkindlicher Entwicklung auszubauen und qualitativ zu verbessern. Das Programm wird gefördert durch den Europäischen Sozialfonds (ESF).



Foto: dkjs

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