2. Beratungssalon zum Thema Lernförderung

Von Beate Krol


21.10.2011 - Wie kann eine erfolgreiche Lernförderung für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche aussehen? Dieser Frage widmete sich der zweite Beratungssalon der Bündnisse für Chancengerechtigkeit am 12. Oktober in Hamburg. "Die Lernförderung", konstatiert Regine Möllenbeck vom Bildungsbüro der Stadt Essen, "ist das Schwierigste".

Zwei Vorträge führen in das Thema ein. Matthias Krahe, Programmleiter bei der DKJS, berichtet über die 14-tägigen Lerncamps, in denen versetzungsgefährdete Schüler versuchen, den Sprung in die nächste Klasse zu schaffen. Bis zu 85 Prozent der Teilnehmer gelingt es, dank individueller Förderung, multiprofessioneller Teams, Projektarbeit und der Schule in der Rolle als "Hauptbildungsakteur". Christoph Gilles vom Landschaftsverband Rheinland erläutert, was man für eine erfolgreiche Netzwerkarbeit  braucht: einen Auftrag der Politik, gemeinsame Ziele, ein professionelles Netzwerkmanagement und einen partnerschaftlichen Umgang von öffentlichen und privaten Trägern.

In der anschließenden Diskussion zur Lernförderung spielt zunächst – wie beim ersten Beratungssalon - das Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung (BuT) eine große Rolle. Viele der 14 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben den Eindruck, eine Quadratur des Kreises vornehmen zu müssen: Weil das Geld für das BuT nicht aus dem Kultushaushalt stammt, muss die Lernförderung außerschulisch stattfinden – das jedoch mindert den Erfolg und stigmatisiert die Kinder und Jugendlichen. Die Mittel aus dem BuT den Schulen zu geben, damit diese eine nicht stigmatisierende kostenlose Lernförderung für alle Kinder anbieten können, verbietet der Landesrechnungshof. „Es ist nicht so, dass ein Bildungsgutschein nicht hilft, er hilft nur nicht am meisten“, fasst Oliver Barth, Vertreter der Region Hannover, das Problem zusammen.

Dass trotzdem alle mit zufriedenen Gesichtern ihre Unterlagen einpacken, können sich Siegfried Haller, Leiter des Amts für Jugend, Familie und Bildung der Stadt Leipzig, und Kenneth Meyer vom Fachbereich Schule und Sport der Hansestadt Lübeck zugute halten. Sie riefen dazu auf, sich bei der Lernförderung vom BuT zu emanzipieren und ein unabhängiges System mit den Beteiligten vor Ort zu schaffen. In dieselbe Richtung zielte auch der Abschlussvortrag von Susanne Brundiers, Psychologin, Lerntherapeutin und Leiterin von „bilnos", der „Bildungs- und Lernberatung im nördlichen Osnabrücker Land“. Das Projekt fördert in enger Zusammenarbeit mit Lehrern und Eltern Grundschulkinder in den Bereichen „Lesen und Schreiben“ und „Rechnen“. Es bildet Lehrer zu den Themen Lernförderung und Diagnose fort. Die 260.000 Euro, die das Projekt für drei Jahre kostet, teilen sich die Kommunen mit Stiftungen. Matthias Krahe von der DKJS resümiert: „In der Diskussion ist nicht ein einziges Mal das Wort Nachhilfe gefallen. Es ist schön zu sehen, dass die Kommunen wissen, dass  Lernförderung mehr als bloßer Nachhilfeunterricht ist."

Am Ende des 2. Beratungssalons haben die Teilnehmer eine größere innere Klarheit  über Konzepte erfolgreiche Lernförderung von sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen gewonnen. „Es geht nicht darum, die Lernförderung dem BuT anzupassen, sondern Schul- und Bildungspolitik zu machen und zu überlegen: Gibt es Möglichkeiten, einzelne Leistungen über Bildungsgutscheine abzurechnen“, sagt Gabriele Steinbach vom Schulverwaltungsamt der Stadt Kassel bei der Abschlussrunde. Peter Bartow, Leiter des Dortmunder Sozialamts ergänzt: „Wir müssen einen Weg in die Schulen und mit den Schulen finden, dann bekommen wir Kommunen auch wieder Boden unter den Füßen.“

 

Die Dokumentation des Beratungssalons finden Sie hier.


Foto: Claudia Höhne

Feedback:
Social Networks:FacebookTwittergoogle.comMister Wong