Chancengerechtigkeit: An einer Neuköllner Grundschule machen Ideen die Runde

05.07.11 – Wie kann das Bildungs- und Teilhabepaket mehr Kinder als bisher erreichen? Was brauchen Schulen darüber hinaus, um jedem Kind gute Bildungschancen zu eröffnen? In der Richard-Grundschule in Berlin-Neukölln wurden am Montag, 4. Juli, über diese Fragen, die momentan viele Schule bewegen, diskutiert.

 

Bettina Wulff besuchte die Grundschule, an der 97 Prozent der Kinder aus Familien kommen, die Transferleistungen beziehen, in ihrer Funktion als Schirmherrin der DKJS. Im Gespräch mit Vertretern aus Schule, Jugendamt und Elternschaft informierte sie sich, welche Herausforderungen die tägliche Bildungsarbeit bestimmen und welche Schwierigkeiten es bei der Umsetzung des Bildungspakets gibt.

 

Schulleiterin Marita Stolt und ihre Konrektorin Marie-Luise Ley-Kraus berichteten aus der Praxis: „In einer Klasse weiß ich von 20 Kindern, die berechtig wären, aber bislang habe ich nur von einem einen Antrag bekommen“, erzählte Frau Ley-Kraus. Das bestätigte auch Omar Cherif und bot Erklärungen für die verhaltene Resonanz. Cherif versucht im Vätertreff der Schule, anderen Eltern mit dem Bildungspaket zu helfen. „Die Anträge sind ziemlich kompliziert und auch auf den Ämtern wissen viele noch gar nicht unbedingt Bescheid, so dass auch noch keiner Geld bekommen hat. Da überlegt man sich schon, ob sich der Aufwand lohnt“, sagt er.

 

Marita Stolt und Marie-Luise Ley-Kraus erhoffen sich mehr vom Bildungspaket als ein paar Euro für einen Schulausflug. „Mein Wunsch wären zum Beispiel Unterrichtsassistenten, beispielsweise Lehramtsstudenten. Die Lehrer schaffen es oft nicht alleine, die Probleme, mit denen die Kinder in die Schule kommen, aufzufangen“, sagte Frau Stolt. Statt Geld für die Verwaltung der vielen einzelnen Anträge zu verwenden, sollte es lieber direkt an die Schulen gehen.

 

Um den Kindern eine Förderung zu bieten, die ihre Eltern oft nicht leisten können, geht die Richard-Grundschule neue Wege. Studenten und andere Erwachsene aus der Nachbarschaft bieten im Lichtpunkte-Projekt ehrenamtlich eine Vielfalt an Kursen an, die die Kinder zuvor gemeinsam gewählt hatten: Hausaufgabenhilfe, Lerntraining, Theater-, Musik- oder Sportangebot. Auch ein Fische-Sezierkurz gehörte dazu.

 

Das Bildungspaket könnte die Chance bieten, den Knowledge Club langfristig in der Schule zu verankern. Die Studenten bekämen ein kleines Honorar und die Angebote könnten sich professionalisieren.

 

Auf solche und ähnliche Ansätze zielt die Initiative Bündnisse für Chancengerechtigkeit der DKJS. „Viele Kommunen haben schon tolle Ideen, wie Bildungsgerechtigkeit verankert werden kann. Sie stellen ihr Wissen in der Initiative zur Verfügung“, sagte Heike Kahl, Geschäftsführerin der DKJS. „Die Initiative ist eine Einladung zum Nachdenken: Wie schaffen wir langfristig Bildungsgerechtigkeit?

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