Bildungskoordinator Ralf Fleddermann auf dem Fachtag Bildung gemeinsam verantworten im August 2012 in Kiel

„Ehrenamtliches Engagement und bezahlte Profis“

Ralf Fleddermann koordiniert im Amt Schafflund  in Schleswig Holstein Bildungsprojekte. Im Interview erzählt er, wie Haupt- und Ehrenamtliche zusammenarbeiten müssten und wie man Bildungslandschaften nachhaltig gestaltet.


Beim Fachtag des Programms Bildungslandschaften zwischen den Meeren haben Sie  die Diskussionsrunde „Nachhaltigkeit in Bildungslandschaften“ geleitet, hat sich in den Gesprächen ein Schwerpunkt herausgebildet?

Es ging es vor allem um die Frage, wer eine Bildungslandschaft koordinieren sollte, damit sie nachhaltig ist – eine ehrenamtlich oder hauptamtlich tätige Person. Die Teilnehmer waren sich einig, dass es jemand hauptamtlich machen soll.

Teilen Sie diese Meinung?

Ja, es ist auch die Erfahrung, die ich gemacht habe. Das soll aber nicht heißen, dass wir auf das Ehrenamt verzichten. Im Gegenteil: Ehrenamtliche sind wichtig, weil sie neue Ideen und Initiativen mitbringen. Eine hauptamtlich besetzte Koordinationsstelle soll sie lediglich entlasten. Nach dem Motto: du bringst deine Ideen und dein Engagement mit, musst aber keine Protokolle schreiben, keine Listen verschicken, noch schauen, wie du dein Projekt versicherst.

Schafflund nimmt seit 2011 an dem Programm „Bildungslandschaften zwischen den Meeren 2.0“ teil. Inwieweit ist Nachhaltigkeit bei Ihnen in der Kommune ein Thema?

Wir stehen momentan vor einem Personalproblem. Unsere Kommunalverwaltung ist mit 15 Angestellten recht klein. Ich bin als einziger Mitarbeiter für Bildungsprojekte zuständig – neben anderen Aufgaben. Das setzt einem natürlich Grenzen: Ich kann Sachen anstoßen und zum Teil begleiten, aber wenn es darum geht, die Bildungslandschaft dauerhaft zu installieren, dann muss ich sagen: es müssen andere Strukturen sein.

Sie bräuchten also Geld, um eine eigenständige Koordinationsstelle zu schaffen?

Ja, dabei geht es nicht einmal um eine Vollzeitstelle. Im Rahmen eines anderen Bildungsprojektes, das allerdings bezuschusst wird, haben wir für die Koordination eine Stelle mit 5 Wochenstunden geschaffen. Die Kollegin, die das macht, ist ansonsten 32 Wochenstunden in einer offenen Ganztagsschule tätig. Es hat auch den Vorteil, dass sie bereits in das Netzwerk integriert ist.

Wer müsste für die Stelle aufkommen und wie sollte die Finanzierung aussehen?

Im August 2011 haben das Land und der Bund erstmals finanzielle Mittel für Schulsozialarbeit zur Verfügung gestellt, das wünschte ich mir auch für die Bildungslandschaften. Die Kommunen sollten dauerhaft Geld zur Verfügung gestellt bekommen und nicht bei jedem neuen Projekt einen Antrag auf Förderung stellen müssen. Neulich habe ich mit zwei Sozialpädagogen gesprochen, die mir sagten, die Hälfte ihrer Arbeitszeit gehe für Anträge drauf. Das System ist ineffektiv.

Wie sieht Ihre Vision einer nachhaltigen Bildungslandschaft aus?
Förderung des ehrenamtlichen Engagements, aber auch bezahlter „Profis“ mit einer professionellen, schlanken Koordination und verlässlichen dauerhaften Finanzmitteln für die Kommunen.

Das Interview führte Katharina Zabrzynski.
Foto: Jens Krystek

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