Mit Bildungssozialarbeitern Eltern direkt ansprechen

Das Bildungs- und Teilhabepaket soll Kinder und Jugendliche aus Familien mit geringem Einkommen gezielt unterstützen und fördern. Noch kommen die Hilfen aber bei vielen Familien, die von den Leistungen profitieren könnten,  nicht an. Für die Kommunen ist das eine große Herausforderung. Die Eltern ansprechen, das funktioniert im Landkreis Elbe-Elster im Süden Brandenburgs schon ganz gut. Andrea Hähnlein, im Bildungsbüro verantwortlich für die Koordinierungsstelle Schule und Wirtschaft, und Sabine Leinweber, Sachgebietsleiterin vom Schulverwaltungs- und Sportamt, berichten von ihren Erfahrungen.


Als Landkreis setzen sie das Bildungs- und Teilhabepaket um und sind nah dran an Eltern, Kindern und Jugendlichen. Wie sprechen sie die Familien vor Ort an?

Andrea Hähnlein: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass das am besten über Veranstaltungen, die ohnehin an den Schulen oder Kitas geplant sind, funktioniert. Das sind beispielsweise Elternsprechstunden, Elternabende oder Tage der offenen Tür. Dort sind unsere Bildungssozialarbeiter vor Ort und können die Eltern ansprechen. Meistens machen die Bildungssozialarbeiter dann den Eltern nach der Informationsveranstaltung das Angebot, einen individuellen Termin zu vereinbaren. Das wird gerne angenommen.

Im Landkreis Elbe-Elster sind fünf solcher Bildungssozialarbeiter im Einsatz. Wie unterscheidet sich deren Arbeit von der eines Schulsozialarbeiters?

Andrea Hähnlein: Im Unterschied zum Schulsozialarbeiter macht der Bildungssozialarbeiter keine konkrete Sozialarbeit in den Schulen. Er hat die Aufgabe, bedürftige Familien zu finden und anzusprechen. Die Bildungssozialarbeiter informieren die Eltern über die Leistungen des Bildungs- und Teilhabepakets. Sie geben Informationen zur Antragsstellung sowie den einzelnen Unterlagen und helfen natürlich auch den Eltern bei der Beantragung. Außerdem haben die Bildungssozialarbeiter den Auftrag, das Fachpersonal in den Einrichtungen als Multiplikatoren zu gewinnen. Da geht es dann wirklich von der Erzieherin, über die Lehrerin zum Schulsachbearbeiter, die angesprochen werden.

Sie konnten in der Vergangenheit zahlreiche Erfahrungen sammeln, wie sie die Kinder und Jugendliche und ihre Eltern am besten erreichen. Was hat gut funktioniert?

Andrea Hähnlein: Unsere erste Idee, alle Schulen, Kitas und Vereine zu schriftlich informieren, dass sie jetzt mit den Bildungssozialarbeitern neue Ansprechpartner haben, war nicht erfolgreich. Auch das Produzieren und Verschicken von Infobriefen und Flyern hat wenig Erfolg gezeigt.


Sabine Leinweber: Am besten erreichen wir die Eltern über die Kooperationspartner in der Kommunen und in den Einrichtungen vor Ort. Es ist zum Beispiel wichtig zu gucken, welche Angebote freie Träger für Schüler machen und über diese Veranstaltungen gehen wir dann an die Eltern und ihre Kinder ran.

Warum ist es so schwierig die Eltern zu erreichen?

Sabine Leinweber: Beim Bildungs- und Teilhabepaket ist der bürokratische Aufwand ein großes Problem. Wenn Eltern für kleine Beträge – zum Beispiel 1,50 Euro für einen Planetariumsbesuch -  einen Antrag beim Jobcenter stellen müssen, dann ist der Weg sehr weit für die Eltern. Die Kosten und der Aufwand, die den Eltern entstehen, diesen Antrag abzugeben sind dann höher, als das, was am Ende herauskommt.

Andrea Hähnlein: Oft sind die Eltern deswegen nicht bereit zum Amt zu gehen. Das lösen wir, indem die Bildungssozialarbeiter vor Ort sind und mit den Eltern gemeinsam die Anträge ausfüllen.
Wenn Sie sich etwas wünschen könnten, welche Unterstützung bräuchten Sie, um die Chancengerechtigkeit im Landkreis zu verbessern?
Andrea Hähnlein: Ich würde mir weniger Vorgaben und mehr kommunale Freiheiten bei der Gestaltung der einzelnen Projekte wünschen. Und, dass gewisse bürokratische Barrieren abgebaut werden.

Das Interview führte Anne Holbach.


Der Landkreis Elbe-Elster ist Beispielkommune in der Initiative Bündnisse für Chancengerechtigkeit und Teil des Förderprogramms Lernen vor Ort.


Foto: Anne Holbach

Feedback:
Social Networks:FacebookTwittergoogle.comMister Wong