Reportage: Bildungserfolge lokal gestalten

Der Bremer Stadtteil Gröpelingen befindet sich in einer Strukturkrise. Um eine soziale Abkoppelung des Stadteils zu verhindern, wurde zu Beginn des Jahres im Rahmen des Bundesprogramms „Lernen vor Ort“ eine Arbeitsgruppe eingerichtet. Sie soll in Gröpelingen eine Bildungslandschaft aufbauen. Um über ihr Vorhaben zu informieren und die Akteure vor Ort für ihr Projekt zu gewinnen, haben die Beteiligten am 28. Februar 2011 zu der Fachtagung „Bildung im Stadtteil“ eingeladen.


Gute Bildung gelingt nur, wenn alle Beteiligten Mut beweisen – und sich in ihrer Arbeit gegenseitig bestärken. Möglicherweise hat Renate Jürgens-Piepers, Senatorin für Bildung und Wissenschaft des Stadtstaats Bremen, gerade deshalb für den Anfang ihres Vortrags die folgende Anekdote gewählt: Mitte Februar hat sie zusammen mit dem einstigen Bürgermeister von Bremen Hans Koschnick die neue Oberschule in Gröpelingen besucht. Als der SPD-Politiker von den Schülern gefragt wurde, wer er sei, antwortete er spontan: „Ich bin ein Gröpelinger, und jetzt schaut mich an, ich bin eine Menge gewesen, hatte viele Ämter inne und das können Gröpelinger Kinder – auch ihr.“ Aber war damals, als er zur Schule ging, alles genauso? – wollten die Schüler wissen. „Nein, das war damals etwas anders“, entgegnete Koschnick, woraufhin sich ein lebhaftes Gespräch einwickelte. Warum sie sich daran gerne zurückerinnert? „Hans Koschnick hat es geschafft den Kindern zu vermitteln, dass Bildung sein Ausgangspunkt war, um etwas zu werden. Und ich hatte den Eindruck, sehr kluge Kinder vor uns zu haben, die innerhalb dieser halben Stunde auch für Politik gewonnen werden konnten“, sagt Renate Jürgens-Piepers.


Jugendliche zum Lernen anzuregen, ist in Gröpelingen nicht nur wichtig und dringend notwendig, sondern auch eine große Herausforderung für alle Beteiligten. Denn Gröpelingen ist heute nicht mehr der Stadtteil, in dem Hans Koschnick einst aufwuchs. Das im Stadtbezirk Bremen West gelegene Gröpelingen ist ein traditionelles Arbeiterviertel. Die Industrie- und Hafenanlagen zogen seit jeher auch Arbeitsmigranten an, zunächst Polen und ab den späten 1950er Jahren Gastarbeiter aus der Türkei. Die Arbeiter waren stolz auf die großen Schiffe, die sie bauten, und entwickelten bald eine eigene Identität, die zu Gröpelingen genauso gehörte wie die großen Kräne entlang der Weser.

Doch zu Beginn der 1980er Jahre wurde die Werft Weser AG geschlossen und damit begann der langsame Abstieg des Stadtteils. Weil der größte Arbeitgeber nicht mehr da war, kehrten die jungen, besser ausgebildeten Arbeitskräfte Gröpelingen den Rücken zu. Zurück blieben vor allem die ungelernten und älteren Arbeiter. Die Stadt Bremen hat lange auf den Struktur-wandel nicht reagiert und steht heute vor dessen Folgen: Die Arbeitslosigkeit betrifft heute fast jeden vierten Gröplinger und liegt damit deutlich über dem Bremer Durchschnitt mit 13,4 Prozent. Und wo einst die Kräne der selbstbewussten Arbeiter standen, befindet sich heute die Waterfront, ein in Beton gegossenes Einkauszentrum.

Der Niedergang Gröpelingens blieb nicht ohne Wirkung auf das Bildungsniveau der Bewohner: Die Abiturquote lag im Jahre 2008 mit 15,7 Prozent halb so hoch wie im stadtweiten Vergleich. „In den Familien fehlt eine Atmosphäre, wonach Bildung etwas fürs Leben bringt. Das ist eines unserer größten Probleme in dem Stadtteil“, erklärt Jürgens-Piepers. Kinder und Jugendliche aus Gröpelingen sollen aber unabhängig von ihrer sozialen Herkunft gute Bildungschancen bekommen. „Dafür brauchen wir alle Akteure vor Ort“, betont sie. Diese Akteure, die die Bildung vor Ort gestalten, sollen bei ihrer Arbeit unterstützt werden und durch Kooperationen gemeinsame Bildungsziele und Qualifikationen entwickeln.

Um dieses Vorhaben zu verwirklichen, hat die Bildungssenatorin im Rahmen des Förderprogramms „Lernen vor Ort Bremen/Bremerhaven“ in Gröpelingen ein lokales Bildungsmanagement ins Leben gerufen. Es handelt sich dabei um eine Projektgruppe aus fünf wissenschaftlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen, die im Stadtteil in den nächsten zwei Jahren eine lokale Bildungslandschaft aufbauen sollen. Das Vorhaben sei lediglich ein Anfang. „Wir wollen, und das ist mein fester Wunsch, das Projekt so nachhaltig machen, dass, wenn Lernen vor Ort zu Ende ist, wir eine Struktur haben, mit der gearbeitet werden kann“, betont die Bildungssenatorin.
Die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) hat die Patenschaft für das Projekt „Lernen vor Ort Bremen/Bremerhaven“ übernommen. Sie hat bereits mehr als 15 lokale Bildungslandschaften begleitet und wird der Arbeitsgruppe in Gröpelingen mit ihrem Wissen zur Seite stehen. Aber was verbirgt sich hinter dem Modewort „Bildungslandschaft“ und wodurch wird das Instrument den wachsenden Ansprüchen an Bildung gerecht?

Um den versammelten Gästen eine adäquate Anwort darauf zu geben, erläutert Mario Tibus-sek von der DKJS, welchem Bedeutungswandel Bildung heute unterliegt, was unter Bildung alles verstanden werden muss und welche Aufgaben sich für die Bildungspartner daraus ergeben: Mehrere Phänomene hätten dazu geführt, dass Bildung seit einigen Jahren eine neue Bedeutung erfährt. Neben dem Pisatest, der Erkenntnis, wonach die soziale Herkunft für den Bildungserfolg entscheidend sei, und der gesellschaftlichen Diversität, trete seit kurzem Bildung als Standortfaktor zunehmend in den Vordergrund: „Dieses relativ junge Phänomen hat seine Ursachen auch in der Statusangst der Mittelschicht. Aus Angst vor dem sozialen Abstieg gewinnt Bildung, das einzige, was die Mittelschicht zu vererben hat, immer mehr an Bedeutung“, erklärt Tibussek. Dies führe zu einer gerade in Städten sichtbaren sozialen Entmischung. „Nehmen wir die Berliner Bezirke Neukölln und Kreuzberg: Hier wohnen viele Menschen aus Milieus, die Diversität eigentlich ganz toll finden. Aber sobald ihre Kinder ins schulfähige Alter kommen, liegt die Betonung eher auf ‚eigentlich‘ als auf ‚toll‘.“

Neben der Bedeutung wandle sich zunehmend auch das Verständnis von Bildung. „Bildung kann nicht erzwungen oder erzeugt, sondern nur ermöglicht werden. Dabei ist Bildung sowohl Ausbildung als auch Selbstbildung“, erklärt Tibussek. Zur Bildungswelt eines Kindes gehört daher nicht nur die formelle Bildung, wie sie an Schulen oder Kitas vermittelt wird, sondern auch die non-formale und informelle Bildung in Büchereien, Musikschulen, Kirchen oder Sportvereinen. „So gesehen ist auch eine Halfpipe ein Bildungsort.“ Um die Bildungsprozesse von Kindern und Jugendlichen „steueren“ zu können, müsse man deshalb - entsprechend der „Governance-Perspektive“ – die Akteure dieser Bildungwelten einbinden. Lokale Bildungs-landschaften seien in diesem Sinne Bildungsnetzwerke, die ausgehend von der Perspektive des lernenden Individuums formale Bilungswelten und informelle Lebenswelten umfassen.

Die Partner innerhalb einer solchen Bildungslandschaft dürften sich aber nicht nur auf der horizontalen Ebene begegnen, die Vernetzung müsse auch „vertikal“ verlaufen. Die größte Herausforderung stelle dabei die Organisation der Verwaltung dar: „Ob in der Schule, im Verein oder in der Familie am Frühstückstisch, der Bildungsprozess stellt aus der Sicht eines Kindes einen Erfahrungszusammenhang dar“, erklärt Tibussek. Dem gegenüber stehe die Verwaltung mit einzelnen Zuständigkeiten wie Jugendhilfe, Schule, Weiterbildung, Sport, Stadtentwicklung, oder Gesundheit: „All diese Zuständigkeiten haben etwas mit Kindern und Jugendlichen zu tun – aber diese Zuständigkeiten stehen im Regelfall für sich alleine. Das heißt: Wir haben eine funktionale Versäulung und Verinselung der Kommunen.“


Um erfolgreiche Bildungsbiographien zu ermöglichen, müsse die Verwaltung im Sinne eines „kohärenten Bildungsmanagements“ handeln. „Eine komplexe Aufgabe“, gibt Mario Tibussek von der DKJS gerne zu. Gerade wenn man auch die lange Liste der Akteure bedenkt, die Einfluss auf die Bildungsbiographien nehmen und gleichzeitig unterschiedlichen pädagogischen Leitbildern folgen. Aber Bildungslandschaften zielten nicht nur auf ein gemeinsames planvolles Handeln und eine professionelle Gestaltung ab, sie müssten auch politisch gewollt sein: „Eine lokale Bildungslandschaft, die nicht schon beim Bürgermeister anfängt, kann nicht wirklich nachhaltig sein, sie kann nicht in die Verwaltungsstruktur implementiert werden, sie hat keinen politischen Rückenwind“, unterstreicht Tibussek. 


Die Konjunktur der Bildungslandschaften in Deutschland gibt dem Instrument Recht. Zahlreiche Kommunen haben in den letzten Jahren das Konzept mit unterschiedlichen Ansätzen und Akteurskonstellationen gefüllt. „Zur Zeit dominieren zwei Typen: die schulzentrierte und die kooperationszentrierte Bildungslandschaft“, erklärt Claudia Fortmann von der Projektgruppe Gröpelingen. Der erste Typ gehe davon aus, dass die Schule der wichtigste Akteur sei und die Bildungslandschaft sich rund um die Schule zu entwickeln habe. Doch das Konzept ernte zunehmend Kritik. „Gerade von Seiten der Jugendhilfe wird bemängelt, dass Schulen gerne ihre Potentiale nutzen, diese dann aber verschulen. Außerdem wird bei dieser Konstellation nicht thematisiert, was die Schule für die Jugendhilfe tun könnte.“ Bei der als Folgekonzept entwickelten kooperationsorientierten Bildungslandschaft werde die Arbeit der Jugendhilfe deshalb stärker berücksichtigt. „Jugendhilfe versteht sich hier als gleichberechtigter Partner und nicht mehr als Reparaturbetrieb für die Schulen.“

Der Ansatz, dem sich „Lernen vor Ort“ in Gröpelingen verpflichtet fühlt, geht noch einen Schritt weiter. Dem Projekt liegt ein ähnlich umfangreicher Bilungsbegriff zugrunde, wie Mario Tibussek ihn in seinem Vortrag referiert hat. Dieser Typ wird deshalb als eine „multidimensionale Bildungslandschaft“ bezeichnet. „Bei dem Ansatz wird das gesamte Lernen im Lebenslauf berücksichtigt, von der frühkindlichen Bildung in der Familie bis hin zur Berufsbildung“, erläutert Fortmann. Neben Schulen und Kitas sollen in Gröpelingen deshalb auch nonformale Einrichtungen wie Jugendfreizeitheime, die Volkshochschule, die Büchereien und Bürgerhäuser eingebunden werden. Aber auch zivilgesellschaftliche Akteure, wie Moscheen, Vereine, Kirchen sowie weitere Akteure und Initiativen, die Einfluss auf die Wohn-und Lebensqualität in Gröpelingen nehmen wollen, wie z. B. „Wohnen in Nachbarschaft“ oder „Soziale Stadt“.

All diese Akteure sollen auch in die kommunale Gesamtstruktur eingebettet werden. Hierzu bedürfe es aber von Verwaltungsseite einiger Anstrengungen: „Wir brauchen ressortübergreifende Gremien, die Bildung, Soziales, aber auch die Ressorts Kultur, Wirtschaft, Arbeit, Bau, Finanzen und natürlich auch die Staatskanzlei einbeziehen“, sagt die Erziehungswissenschaftlerin Fortmann. In den nächsten Monaten wird die Arbeitsgruppe in Gröpelingen ein Modell erarbeiten, das die „top down“- und „bottom up“-Kommunikation zwischen der Stadtteilebene und der Steuergruppe im Sinne einer gegenseitigen Einflussnahme ermöglichen soll.

Doch Gröpelingen ist nicht nur der Stadtteil der kommunalen Versäumnisse, der hohen Arbeitslosigkeit und geringen Bildungschancen. „Wir haben eine junge Bevölkerung, eine lebendige Kulturszene, ein breit gefächertes Netzwerk an Bürgerinitiativen und positive städtebauliche Entwicklungen“, erläutert der Leiter der Projektgruppe Gröpelingen, Lutz Liffers. Zu den erfolgreichen städtebaulichen Projekten gehören z.B. der Bau und die Sanierungen von Bildungseinrichtungen. 18,4 Millionen Euro hat die Landesregierung seit 2007 in diese Maßnahmen investiert. Zur Zeit entstehen in Gröpelingen zwei neue Oberschulen, die Grundschule Halmersweg wird saniert und an der Grundschule Fischerhuderstraße entsteht ein neues Quar-tierszentrum. Von hier aus sollen ab Sommer 2012 die Kooperationen von Schule, Kita, Kultur, Weiterbildung und anderen Akteuren koordiniert und weiterentwickelt werden. 


Weil die Sanierungsmaßnahmen der letzten Jahre auch darauf angelegt waren, den Bewohnern einen besseren Zugang zu Kunst, Kultur und Integration zu ermöglichen, verfügt Gröpelingen heute über einen gut funktionierenden Kulturverbund. Im Rahmen des Kulturnetzwerks a_b_c_gröpelingen bieten die Stadtbücherei West, die Volkshochschule, das Bürgerhaus Oslebshausen und der Verein „Kultur vor Ort“ zahlreiche gemeinsame Projekte an. „Unsere Vi-sion war und ist: Kulturelle Bildung wird in diesem Stadtteil ein fester und beständiger Be-standtteil der gesamten Bildungsstruktur“, erklärt Christiane Gartner von „Kultur vor Ort“. Alle Projekte bestehen aus mehreren aufeinander aufbauenden Modulen, die neben der ästhe-tischen Bildung, auch die Sprachkompetenz und somit Integration der Stadtteilbewohner fördern. Und es werden Partner wie Kitas, Schulen und Eltern eingebunden. „Unser Ziel ist eine enge Verzahnung von formeller und informeller Bildung“, sagt Gartner.

Wie die Zusammenarbeit aussieht und welche Erfolge sie erzielt, macht das Projekt „Gröpelinger Bücherwerkstatt“ deutlich: In einem mehrmonatigen Prozess arbeiten Kinder der Klassen 3 und 4 an einem Episodenbuch, das sie selbstständig konzipieren, gestalten und produ-zieren. Integriert in den Regelunterricht besuchen die Kinder zunächst die Stadtbibliothek. Hier werden sie über Vorlesestunden in die Welt der Bücher und Medien eingeführt und entwickeln eigene Geschichten. Anschließend werden die Geschichten im Atelierhaus Roter Hahn notiert, gesetzt und in Kaltnadeltechnik illustriert. Unterstützt werden die Schüler dabei von den Kunstpädagogen von „Kultur vor Ort“. Am Ende des Zyklus werden die Bücher den Lehrern, Klassenkameraden und Eltern in Form einer besonderen Lesung präsentiert: Die Dritt- und Viertklässler lesen ihre Bücher den neue eingeschulten Erstklässlern und den Kindern der benachbarten Kitas vor. „Auf diese Weise entsteht ein Wirkungs- und Erfahrungszusammenhang von formeller und nonformaler Bildung, der zu einer vielschichtigen Förderung von Literalität führt“, erklärt Gartner. 


Das durch die Stadtbücherei, die Volkshochschule, das Bürgerhaus Oslebshausen und „Kultur vor Ort“ zustandengekommene Kulturnetzwerk funktioniert aber deshalb so gut, weil die Partner sich von vornherein einen geregelten Ablauf auferlegt und eine feste Struktur gegeben haben. „Wir haben zunächst gemeinsam ausgehandelt, welche Rolle kulturelle Bildung haben soll, und haben daraufhin unsere Projekte und Programme besser aufeinander abgestimmt“, sagt Gartner. Außerdem sind alle Partner Mitglied im Verein „Bildung vor Ort“: „Sie sind vertreten im Vorstandsgremium und an der Strategieentwicklung des Gesamtsystems beteiligt“.
Doch Gröpelingen hat auch andere in der Bildungsarbeit aktive Akteure, wie z.B. die Mevlana Moschee. Das zwischen einem Waschsalon und einem Supermarkt gelegene Gotteshaus ist von außen kaum sichtbar. Keine Kuppeln oder Minarette, lediglich ein Schild an der Einganstür weist den Weg in die mit bunten Teppichen und Rundbögen geschmückten Moscheeräume. Die Mevlana Moschee begreift sich als ein offenes Bürgerhaus innerhalb des Stadtteils Gröpelingen und pflegt zahlreiche Kooperationen. Mit den Kirchen wird einmal im Jahr eine ökumenische Messe gefeiert und mit dem Verbund „Kultur vor Ort“ beteiligt sich die Moschee an dem Erzählfestival „Feuerspuren“. Jedes Jahr kommen Tausende Besucher nach Gröpelingen um den gut 50 internationalen Erzählern beim Vorlesen zu lauschen. Und die Moschee ist jedem zugänglich. „Es kommen viele Kita- und Schulklassen zu uns“, sagt die Frauen-und Jugendbeautragte der muslimischen Gemeinde Halime Cengiz. „Die Kinder dürfen hier herumtollen und alles anfassen“, erklärt die deutsch-türkische Bremerin. „Und wenn wir den Kindern unseren Gebetsritus zu vermitteln versuchen, ist das auch gut für die türkischen Kinder. Dann dürfen sie nämlich die Experten sein.“

Die Projektgruppe von „Lernen vor Ort“ hat mit der Moschee bereits Kontakt aufgenommen: „Erst vor kurzem haben wir entdeckt, dass es dort eine Jugendgruppe gibt, die sich über aktuelle politische Themen austauscht. Neulich haben sie über Wahl mit 16 diskutiert und dazu Referenten eingeladen“, sagt Fatmanur Sakarya-Demirci. Aufgrund ihrer Türkischkenntnisse ist die Sozialpädagogin für Kontakte zu Migrantinnen und Migranten zuständig. „Moscheen haben sehr viel Potenzial, deshalb müssen wir sie mit weiteren Akteuren vor Ort vernetzten. Zum einen, um sie bei ihrer Arbeit zu unterstützen und gemeinsam Themen zu entwicken, zum anderen, um bei Integrationsproblemen und Konflikten gemeinsame Lösungen zu finden“, erläutert sie.

Zusammen mit ihren Kollegen wird Sakarya-Demirci in den folgenden zwei Jahren in Gröpelingen eine lokale Bildungslandschaft aufbauen. Die Strukturkrise des Stadtteils wird das Projekt nicht beseitigen können, es kann aber mehr Bildungsgerechtigkeit und zukunftsfähige Bildungsstrukturen schaffen. Die Chancen dafür stünden gut, ist sich die Bildungssenatorin Jürgens-Piepers sicher und verbindet mit dem Projekt ein festes Ziel: „Wenn die Kinder nach ihrer Ausbildung irgendwann nach Gröpelingen zurückkehren, sollen sie sagen können: Hier kann man was werden.“

 

Eine Reportage von Katharina Zabrzynsky

Feedback:
Social Networks:FacebookTwittergoogle.comMister Wong