Ressourcen vernetzen und Eltern vor Ort ansprechen

15.03.2012/Potsdam - Wie können Bildungsangebote und kommunale Strukturen gestaltet werden, um die Bildungs- und Teilhabechancen für jedes einzelne Kind zu verbessern? Wie kommen die Angebote am Besten bei den Kindern und Jugendlichen an? Diesen Fragen stellten sich am 15. März Vertreter kommunaler Verwaltungen, des Landes Brandenburg sowie Praktiker aus Schulen und Jugendhilfe auf der Konferenz „Zielgruppen erreichen – Bildung und Teilhabe sichern“ im Rahmen der Initiative Bündnisse für Chancengerechtigkeit im Potsdamer Kutschstall Ensemble.

Das vor einem Jahr verabschiedete Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung hat einige Konstruktionsfehler, darüber waren sich die knapp 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Konferenz einig. Die Kritik in den Vorträgen und der Plenumsdiskussion ging in eine Richtung: Das Bildungs- und Teilhabepaket kollidiere mit schon existierenden Strukturen, wie beispielsweise dem Sozialfonds, der seit 2009 Schülerinnen und Schüler finanziell bei der Anschaffung von Lernmittel und kostenpflichtigen Ganztagsangeboten unterstützt. Außerdem sei es mit viel zu viel Bürokratie verbunden. Das zum Teil aufwendige Antragsprozedere verhindere, dass die Hilfen schnell und unkompliziert an die berechtigten Familien gelangten.

Bildungssozialarbeiter sprechen Eltern und pädagogische Fachkräfte direkt an

Aus der Praxis berichteten Andrea Hähnlein und Sabine Leinweber aus dem Landkreis Elbe-Elster.Gute Erfahrungen hat der Landkreis im Süden Brandenburgs mit dem Einsatz von Bildungssozialarbeitern gemacht. Fünf Mitarbeiter besuchen in der Region systematisch Elternabende in Schulen und Kitas und informieren die Eltern über die Leistungen. Das Erfolgsrezept: In den Einrichtungen vor Ort sein und Vertrauen zu den Familien aufbauen. Zudem setzt der Landkreis Elbe-Elster auf die Mithilfe der Jobcenter, die Familien heraussuchen, die einen Anspruch auf Leistungen aus dem Bildungspaket haben und sie gezielt auf die Angebote ansprechen. „Ich denke, wir haben gute Methoden entwickelt, um die Eltern zu erreichen“, lautete Andrea Hähnleins erste Bilanz. „Aber richtige positive Effekte des Bildungs- und Teilhabepakets sehe ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht.“


Schule und Träger der Jugendhilfe müssen sagen, was sie können

In einem zweiten Themenblock erläuterte Andreas Hilliger - Abteilungsleiter im Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg (MBJS) - die Rolle von Sozialarbeit an Schulen  für Chancengerechtigkeit . Für eine funktionierende Schulsozialarbeit ist seiner Meinung nach vor allem eine klare Aufteilung von Kompetenzen zwischen Schulen und freien Trägern der Jugendhilfe wichtig: „Eine gute Zusammenarbeit setzt voraus, dass beide Seiten sagen, was sie können und wo sie die Unterstützung vom anderen erwarten.“ Zu häufig werde noch aneinander vorbeigearbeitet, statt an einem Strang zu ziehen.

Aktivitäten von Ländern und Kommunen bündeln

Gerd Künzel - Abteilungsleiter Soziales und Familie im Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie Brandenburg – forderte neben einer Kooperation zwischen Schulen und Jugendhilfe auch eine Bündelung der Aktivitäten zwischen Land und Kommunen: „Wir leben mittlerweile in einer Welt, in der man nicht sagen kann: ‚Das bestimmt das Land, die Kommunen haben nichts zu sagen - oder umgekehrt.‘ Das führt immer nur zu zweitbesten Lösungen. Wir müssen zusammen denken.“ Das unterstrich auch Professor Karsten Speck von der Universität Oldenburg. Der Wissenschaftler gab den Landesvertretern die Empfehlung, ein Gesamtkonzept mit einer konkreten Handlungsstrategie zur Sicherung von Bildung- und Teilhabe im Land Brandenburg zu entwickeln und sich dabei mit den Kommunen an einen Tisch zu setzen.

Auf Landesebene steuern, vor Ort Konzepte entwickeln

In der nachmittäglichen Arbeitsphase in Gruppen kristallisierte sich ebenfalls heraus, dass das Land den Diskursprozess der verschiedenen Institutionen steuern sollte. Die Kommunen wünschen sich aber statt von oben auferlegten Vorgaben mehr standortbezogene Konzepte. Kritisch debattierten die Teilnehmenden außerdem die zeitliche Befristung von Förderungen, da diese eine Nachhaltigkeit von Projekten verhindere. Um effektiv Chancengerechtigkeit herstellen zu können, so das Fazit, müssten die verschiedenen Akteure vor Ort stärker in die Entscheidungsprozesse eingebunden und die unterschiedlichen Programme besser miteinander verzahnt werden.

 

Wie der Landkreis Elbe-Elster Kinder und Jugendliche und ihre erwachsenen Begleiter erreicht, können Sie im Interview mit Andrea Hähnlein und Sabine Leinweber nachlesen.


Andreas Hillger, Abteilungsleiter im Ministerium für Bildung, Jugend und Sport, spricht im Interview über die Kooperation von Land und Kommune.


Die Präsentation zur Bildungssozialarbeit im Landkreis Elbe-Elster können Sie hier herunterladen.

Den Vortrag von Professor Karsten Speck finden Sie hier.

Infos zur Initiative Bündnisse für Chancengerechtigkeit gibt es hier.

Text und Foto: Anne Holbach

Feedback:
Social Networks:FacebookTwittergoogle.comMister Wong