Dr. Bernd Ebersold, Geschäftsführer der Jacobs Foundation, diskutiert mit Staatssekretär Prof. Dr. Wolfgang Schroeder die Verantwortung von Staat und Stiftungen
Dr. Bernd Ebersold, Geschäftsführer der Jacobs Foundation, diskutiert mit Staatssekretär Prof. Dr. Wolfgang Schroeder die Verantwortung von Staat und Stiftungen

Keine Kleinigkeit - Warum Stiftungen mit ihrer Arbeit Bildungspolitik gestalten können, und sollten

Kommentar zur Konferenz „Bildungslandschaften 2020“ der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) am 23. Februar in Berlin

Von Wibke Bergemann

05.03.2012 - Das sei doch eine Micky-Maus-Veranstaltung, so der ironische Seitenhieb von Wolfgang Schroeder, Staatssekretär im Arbeits- und Sozialministerium in Brandenburg, in einer Gesprächsrunde auf der DKJS-Konferenz „Bildungslandschaften 2020“. Schroeders fröhlich-flapsige Bemerkung sollte die Größenordnung von Interventionen durch Stiftungen im Bildungsbereich im Vergleich zu staatlichen Bildungsaufgaben verdeutlichen. Und damit die Stiftungsarbeit in ihre Grenzen verweisen.

Allein der jährliche Bildungshaushalt des Landes Brandenburg umfasst ein Hundertfaches der Finanzmittel einer Stiftung wie der DKJS. Dass für erfolgreiche Innovationen aber nicht unbedingt die finanziellen Ressourcen entscheidend sind, zeigt der Blick auf die Modellprojekte, die an dem DKJS-Programm teilgenommen haben. Jährlich 100.000 Euro erhielten die beteiligten Kommunen pro Jahr, um sich anlässlich  eines konkreten Bildungsprojekts besser miteinander zu vernetzen  – ein Kleckerbetrag im Vergleich zu staatlichen Bildungsausgaben. Was dagegen von den Teilnehmern offenbar als eine sehr wichtige Hilfe geschätzt wurde, sind die gut ausgebildeten Prozessbegleiter, die die Kommunen auf ihrem Weg unterstützten, und die bedarfsgerechte Beratung durch die DKJS. Das Programm Lebenswelt Schule scheint vor allem aus zwei Gründen zu gelingen: Weil es zum einen offen genug ist, um in den jeweiligen Kommunen die passenden Lösungen zu finden. Und weil es zum anderen auf die Vernetzung und Partizipation aller Beteiligten setzt, so dass mit einigen Impulsen ein größtmöglicher und vor allem nachhaltiger Effekt erzielt werden kann.

Wie nötig solche Impulse sind, zeigt sich nicht zuletzt in der Trägheit, mit der die Bildungspolitik auf die Ergebnisse der PISA-Studie reagiert. Die schlechten Leistungen deutscher Schüler, die hohe Quote der Schulabbrecher und vor allem die andauernde Abhängigkeit des Bildungserfolgs von der sozialen Herkunft haben eine neue hitzige Diskussion entfacht. Doch eine echte Strukturreform, die auch integrative und inklusive Bildungsanforderungen berücksichtigen würde, ist nicht in Sicht.

Die DKJS setzt mit dem Programm Lebenswelt Schule und der Initiative Bündnisse für Chancengerechtigkeit bei den Kommunen an. Ein wichtiger Vorteil: Auf kommunaler Ebene kann direkt auf die lokalen Bedarfe reagiert werden. Im Kleinen führen die Modellprojekte vor, was möglich ist und setzen damit neue Maßstäbe. Die Beispiele für Gute Praxis laden andere Kommunen ein, selbst aktiv zu werden.

Man mag anmerken, mehr Autonomie auf kommunaler Ebene führe zu noch mehr Kleinteiligkeit im Bildungswesen. Die Einheitlichkeit im föderalen System zu bewahren, ist aber Aufgabe der Bildungspolitik. Stiftungen können die staatliche Bildungsverantwortung nicht ersetzen, sondern als Impulsgeber ergänzen.

Den Bericht zur Konferenz Bildungslandschaften 2020 können Sie hier nachlesen. Das Audiofeature können Sie hier nachhören.

Foto: Piero Chiussi

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