"Zuständigkeitsabgrenzungen führen immer nur zu zweitbesten Lösungen"

15.03.2012/Potsdam - Gerd Künzel ist Abteilungsleiter im Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie in Brandenburg. Auf der Konferenz "Zielgruppen erreichen - Bildung und Teilhabe sichern" plädiert er für eine standfeste Kooperationskultur zwischen Kommunen und Ländern und berichtet, welche ersten Schritte das Land Brandenburg unternimmt.


Herr Künzel, Sie sind der Meinung, Land und Kommunen müssten davon wegkommen, in „Schubladen“ zu denken und besser zusammenarbeiten. Wie stellen Sie sich das vor?

Ich glaube, ins Gespräch kommen, ist der entscheidende Punkt. Was mir persönlich immer auffällt, ist das wir alle in relativ gut gehöhlten Schablonen denken, in einem Freund-Feind-Denken mit einer Zuständigkeitsabgrenzung. Ich persönlich plädiere für eine Kooperationskultur. Wir leben mittlerweile in einer Welt, in der man nicht sagen kann: ‚Das bestimmt das Land, die Kommunen haben nichts zu sagen - oder umgekehrt.‘ Das führt immer nur zu zweitbesten Lösungen. Wir müssen zusammen denken.

Gerade im Bezug auf das Bildungs- und Teilhabepaket ist ja klar festgelegt, dass die Umsetzung Sache der Kommunen ist. Inwiefern kann das Land die Kommunen dabei unterstützen und für Chancengerechtigkeit zu sorgen?

Das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport und wir haben zum Beispiel gemeinsam ein Papier zur Sozialarbeit an Schulen entwickelt und das den Kommunen vorgelegt, mit dem Ziel uns auf ein Konzept zu verständigen. Dann ist genau das passiert, was ich schon erwähnt habe. ‚Wir machen das schon selbst, haltet euch daraus‘, hieß es von den Kommunen. Im zweiten Anlauf ist es uns dann gelungen eine gemeinsame Good-Will-Erklärung zu unterzeichnen, dass die vorhandenen Bundesmittel für den Zweck der Schulsozialarbeit zu verwenden sind.

Wie reagieren sie auf die oft formulierte Forderung nach einem Gesamtkonzept und einer einheitlichen Handlungsstrategie für Chancengerechtigkeit auf Landesebene?

Wir haben dazu die ersten Schritte gemacht und sind dabei weiter zu entwickeln. Wir haben ein familienpolitisches Programm, das beinhaltet auch einen Teil, der sich mit Bildung befasst und der Zusammenarbeit von Sozial- und Bildungspolitik. Das sind erste konzeptionelle Ansätze. Wir beschäftigen uns auch damit, ein Programm in die Welt zu setzen, wo es um die Koordinierung auf lokaler Ebene geht in der Interventionskette. Das befasst sich zum Beispiel mit der Öffnung von Schule zum Gemeinwesen. Das ist im Gange und ich hoffe das gelingt.

Was muss sich bei der Umsetzung des Bildungs- und Teilhabepakets ändern?

Das eine sind kreative Kommunen, die diese ganze bunte Vielfalt an Angeboten und das ganze Chaos ordnen müssen und daraus örtliche, situationsangepasste Konzepte machen sollten. Es wäre natürlich auch ein Weg, wenn Bundesministerien bereit wären, bei ihren Gesetze auch an die strukturelle Umsetzung vor Ort zu denken. Dann wären wir schon weiter, da sind wir aber noch nicht.

Was nehmen sie von der Veranstaltung „Zielgruppen erreichen – Bildung und Teilhabe sichern“ heute mit?

Ich freue mich, dass diese Gedankengänge über die Salonarbeit der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung bei den Kommunen Fuß fassen und ich sehe jede Menge Leute, bei denen die Ansätze ankommen, die das heute Gehörte in örtliche Gedanken umsetzen und daran arbeiten werden. Das nehme ich als Hoffnung mit.


Das Interview führte Anne Holbach.

Foto: Eva Giovannini

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