Sommerfest der Regionalstelle Berlin der DKJS Ende August

Falscher Kiez, keine Chance?

29.10.2012 – Welche Rolle spielt Stadtentwicklung für Chancengerechtigkeit? Wie gelingt es, alle Jugendlichen in ihrer Lebenswelt zu erreichen? Eine Diskussion

„Wenn du in bestimmten Bezirken zur Schule gehst, dann ist deine Chance, das Abitur oder einen guten Abschluss zu schaffen, einfach geringer“, eröffnet Dr. Andrej Holm vom Fachbereich Stadt- und Regionalsoziologie der HU Berlin die Diskussion auf dem Sommerfest der Regionalstelle Berlin der DKJS Ende August.
Dr. Anja Durdel von der DKJS ergänzt: „Wenn wir tatsächlich die Aufwachs- und Lernbedingungen von Kindern und Jugendlichen verändern wollen, müssen andere Leute oder mehr Leute als bisher miteinander reden. Der Raum ist eine Dimension, die wir in der Pädagogik lange nicht mitgedacht haben.“

Das Quartier als Lernraum


Dabei fände Lernen nicht nur in der Schule statt, sondern auch auf den Plätzen und Straßen des Quartiers, betont Prof. Dr. Angela Uttke vom Institut für Stadt und Regionalplanung der TU Berlin: „Die Stadt als Lernraum und die Institutionen müssen da einfach mehr in die Pflicht genommen werden.“ Thomas Sonnenburg wirft die Idee einer mobilen Schule in den Raum. Durch solche Lernkonzepte ließen sich auch Kids auf der Straße in Bildungsprozesse einbeziehen, so der Sozialpädagoge und Fernsehcoach in der RTL-Serie ‚Die Ausreißer‘.

Jugendliche in Planungsprozesse einbeziehen

Einig sind sich die Diskutierenden, dass jeder Planungsprozess eine Bedarfsanalyse braucht und dass diese gemeinsam mit den Jugendlichen stattfinden sollte. Thomas Sonnenburg betont das kreative Potenzial der Jugendlichen: „Ich finde es einfach wichtig, dass junge Leute in all ihren Bandbreiten, Visionen und Flippigkeiten gehört werden.“ Vielfältige Chancen für Beteiligungsprojekte von Jugendlichen sieht auch Prof. Dr. Angela Uttke. Diese setzten aber Ansprechpartner in den Bezirksverwaltungen voraus, z.B. für Nutzungsgenehmigungen für leerstehende Räume.   

„Wie können Stadtplaner eine Jugend-Beteiligung organisieren? Und dann noch mit Jugendlichen, an die man schwer ran kommt?“, fragt Dr. Anja Durdel von der DKJS. Ein gelungenes Beispiel sei das Programm SPIELRAUM, bei dem Streetworker zusammen mit Jugendlichen unbebaute Plätze in Besitz nehmen. Gemeinsam erarbeiten sie ein neues Konzept und beziehen dann Stadtplaner, Eltern und andere mit ein. „Die Streetworker sind Profis, wenn es um partizipative Methoden geht“, ist Dr. Anja Durdel überzeugt.

Potenziale der Ganztagsschulen für Stadtplanung nutzen

Eine weitere Frage der Diskussionsrunde lautet: Welche Rolle können Schulen in Problemkiezen spielen? Die allerbesten Lehrer und kreativsten Schulleiter in die Problembezirke zu schicken, schlägt Prof. Angela Uttke vor. Einig sind sich die Experten, dass der Austausch über Entwicklungen an den Schulen wichtig ist. Aus den Potenzialen der Ganztagsschule zu schöpfen, empfiehlt Dr. Anja Durdel. Denn hier bestünden Chancen in zweierlei Hinsicht: Außerschulische Kooperationspartner einzubeziehen und mit den Schülerinnen und Schülern zu diskutieren, was sie wirklich wollen.

 

Foto: Wolfgang Landgraf

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