Transferagentur Nord-Ost für kommunales Bildungsmanagement gestartet

Groß denken – klein anfangen


04.05.2015 – Kommunal an einem Strang ziehen, um gleichwertige Bildungschancen in der Stadt wie auf dem Land zu erreichen, unabhängig von der Herkunft der Kinder- und Jugendlichen – in ihrem Grußwort brachte Britta Ernst, Ministerin für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein, die Zielsetzung der neu gestarteten Transferagentur Nord-Ost auf den Punkt. Wie sich die kommunale Zusammenarbeit konkret vor Ort gestalten lässt, darüber tauschten sich gestern Vertreter aus Kommunen, Schulämtern, Bildungsorganisationen, Stiftungen, Vereinen und Verbänden aus. Eingeladen zur Fachtagung „Kommunen gestalten Zukunft – Mit Daten Bildung managen“ hatten die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung und kobra.net, Träger der Transferagentur Nord-Ost. Sie unterstützt Kommunen in Brandenburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern beim Aufbau eines datengestützten Bildungsmanagements. Gefördert wird die Arbeit aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF).
Viel sei bereits durch die vorhergehenden Programme wie ‚Lernen vor Ort‘ auf den Weg gebracht in Richtung kohärenter Kooperation, so Dr. Thomas Greiner, BMBF. Neu hinzukommende Kommunen könnten nun vorhandene Ergebnisse nutzen und von Vorhandenem lernen.


Dieses Angebot nutzten die Anwesenden gestern im Beratungssalon sowie in drei Fach-Foren. Hier zeigten Landkreise und kreisfreie Städte gute praktische Beispiele, wie sich durch die Zusammenarbeit verschiedener Ressorts und weiterer Akteure Bildungsherausforderungen in Flächenkreisen auch bei schwacher Struktur und Finanzen in den Griff bekommen lassen. Oft beginnt eine mögliche Kooperation ganz einfach: „Kaffee trinken und viel schnacken“. Hierbei werde einigen Verantwortlichen in der Kommune klar, dass Bildung viel mehr sei als Schule, so ein Landkreisvertreter. „Anlässlich Bildung reden die Gemeinden nun über Sachen, über die sie sich vorher gar keine Gedanken gemacht haben.“
Die Zahl von Schulabbrechern oder die der Heimunterbringungen senken, den Übergang von der Schule in Ausbildung verbessern, den öffentlichen Nahverkehr sichern, gleiche Angebote von verschiedenen Vereinen bündeln – die Themen der Landkreise sind sehr vielfältig und Gemeinde-spezifisch.


Ganz deutlich wurde, dass es ohne eine professionelle Koordinierungsstelle, zum Beispiel mit einem Bildungsbüro, nicht geht. Dies betonten nicht nur die Praktiker, sondern auch Wilfried Lohre vom Institut für kommunale Bildung in seinem Impulsvortrag. Er erläuterte ausführlich, wie Kommunen auf Basis einer Situationsanalyse und entsprechender Datenerhebung Ziele für ihre Bildungsarbeit formulieren und entsprechende Kooperationen anbahnen können. Relevant sei, zunächst mit einem Thema oder einer Problemstellung zu beginnen, sodass eine Lösung auch realistisch und möglich sei. „Groß denken – aber klein anfangen“, betonte Lohre. Nur Daten zu erheben, um Daten zu haben, sei noch keine Lösung.
An manchen Stellen ist dies bereits eine Herausforderung, wurde in Gesprächen deutlich: Das eine Amt nutzt Excel, das nächste schickt Word-Dokumente. Eine Vereinheitlichung würde hier bestimmt vieles erleichtern.


Neben ganz einfachen technischen Werkzeugen, zu schaffenden Strukturen für die Zusammenarbeit und einer Koordinierungsstelle brauche es aber auch den politischen Willen der kommunalen Spitzen, so Dr. Greiner. Und Wilfried Lohre betonte: „Auch bei getrennten Zuständigkeiten vor Ort gibt es eine gemeinsame Verantwortung.“

Foto: K. Dillenberg/dkjs

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