Zum Umgang mit Diversität und Heterogenität in Bildungslandschaften

Vor dem Hintergrund der Entwicklung von Bildungslandschaften werden u.a. Erwartungen geweckt, dass die Integrationsbemühungen von Kindern mit Migrationshintergrund besser gelingen. Die Potenziale, welche funktionierende Bildungslandschaften bieten, werden im Rahmen der Expertise und deren Zusammenfassung dargestellt. Die Literaturstudie eröffnet Blicke auf handlungsleitende Arbeitsmaßnahmen und dient als Anregung bei der Entwicklung von Kooperationsstrukturen zwischen Ganztagsschule und Umfeld.

Einführung in das Material


Obwohl zunehmende soziale und kulturelle Heterogenität mittlerweile in vielfacher Hinsicht als Normalität der deutschen Gesellschaft verstanden werden muss, sind insbesondere Mitbürger/-innen mit Migrationshintergrund nach wie vor von zahlreichen Negativtendenzen betroffen. Geringere Bildungsabschlüsse, erhöhte Eingliederungsprobleme in den Arbeitsmarkt, sozialräumliche Segregation, Sprachverständnisprobleme und mangelnde Verständigungsbereitschaft über kulturelle und religiöse Differenzen, gehören dabei zu den Hauptproblemen, die insgesamt die gesellschaftliche Integration und Inklusion der betreffenden Bevölkerungsgruppen erschweren.

Vor diesem Hintergrund ist an die Entwicklung von Bildungslandschaften u.a. die Erwartung geknüpft, diese Probleme aufzugreifen und Strategien im Umgang mit Ausgrenzung und Heterogenität zu entwickeln. Dabei ist davon auszugehen, dass sich das besondere Potenzial von Bildungslandschaften aus folgenden Aspekten ergibt, die zugleich handlungsleitende Arbeitsannahmen für die vorliegende Literaturstudie darstellen:

  • Im Unterschied zur traditionellen Einzelschule wird der Blick auf die potenzielle Zielgruppe in Bildungslandschaften deutlich ausgeweitet. Mithilfe netzwerkartiger Strukturen können in Bildungslandschaften integrierte Handlungskonzepte entwickelt werden, die über das herkömmliche Spektrum der klassischen „Beschulung“ hinausreichen und die ganze Biographie sowie das soziale Umfeld (Familien, Quartiersbewohner/innen) einbeziehen.
  • Durch die besonderen Akteurskonstellationen und Kooperationsstrukturen einer Bildungslandschaft können neue Zugänge erschlossen und eine bessere Erreichbarkeit der anvisierten Zielgruppe(n) erzielt werden. Dies hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass Bildungslandschaften einen niedrigschwelligeren Zugang zu Bildungsangeboten realisieren können, der insbesondere von Ausgrenzung bedrohten und betroffenen Menschen zugute kommen kann.
  • Durch die Bündelung institutioneller Ressourcen (z.B. Finanzmittel, Kompetenzen, Ansehen etc.) haben Bildungslandschaften umfassendere Möglichkeiten, auf spezifische Probleme und Bedarfe heterogener Zielgruppen zu reagieren, als dies in der Einzelschule möglich ist.
  • Durch das ausgeweitete zeitliche Versorgungsangebot können in Bildungslandschaften erweiterte Lern- und Entwicklungsumgebungen geschaffen werden. Mit der längeren Verweildauer in den pädagogischen Institutionen wird bei den Zielgruppen ein erhöhter Grad an pädagogischen Erfolgen (Integrationsleistung) erwartet.
  • In dem Maße, in dem lokale Bildungslandschaften bzw. -netze in ihrem Umfeld als Orte hochwertiger Bildung und als kommunikative Zentren entwickelt werden, können sie ein wirksames Instrument gegen die anhaltende Tendenz zur sozialen Segregation in den Städten sein.

 

 

Ausgehend von diesen Annahmen wird mit der Literaturstudie das Ziel verfolgt, entwickelte und angewandte Handlungsstrategien von Bildungslandschaften im Umgang mit Heterogenität und Vielfalt zu identifizieren, zu beschreiben und zu kategorisieren sowie hieraus weiterführende Empfehlungen abzuleiten.

Da sich die Diskussion um die Gestaltung von Bildungslandschaften aus wissenschaftlichen, politischen und praxisorientierten Diskursen speist, wurden als Datengrundlage sowohl einschlägige wissenschaftliche Quellen (theoretisch-konzeptionelle Arbeiten) als auch Quellen aus der Fachpraxis (Expertisen, Handreichungen, Projektberichte oder Websites) herangezogen. Die Informationen wurden in erster Linie durch Internetrecherchen gewonnen. Gesichtet und analysiert wurden einschlägige Datenbanken, Websites von Kommunen im Allgemeinen und Bildungslandschaften im Speziellen sowie die Satzungen und Leitbilder verschiedener Stiftungen oder entsprechender Netzwerke. Wo vorhanden, wurden auch Aufsätze, Zeitungsartikel und andere Dokumente wie z.B. Projektskizzen, Sachstandsberichte o.ä. einbezogen.

Auswahl und Analyse geeigneter und vergleichbarer Praxisbeispiele erwiesen sich insofern als schwierig, als das Verständnis von „Bildungslandschaften“ sich einer einheitlichen Definition entzieht. Als Mindestbedingung für die Berücksichtigung als Bildungslandschaft wurde daher die Anwesenheit wenigstens einer Schule vorausgesetzt. Bildungsnetzwerke, die sich z.B. ausschließlich aus Weiterbildungsträgern zusammensetzen, wurden dementsprechend nicht berücksichtigt. Bei den im Internet vorfindlichen Bildungslandschaften handelt es sich überwiegend um sozialräumlich ausgerichtete Konzepte. Dies ist zum einen auf die Suchstrategie zurück zu führen, die explizit darauf ausgelegt war, konkrete Praxisbeispiele im Umgang mit Migration und Integration ausfindig zu machen.

Zum anderen ist es aber gleichzeitig auch ein Ergebnis, da quartiersbezogene Konzepte offenbar nicht nur hinsichtlich der Bearbeitung von Migrationsphänomenen und –problemen in der aktuellen Debatte um kommunale Bildungslandschaften einen zentralen Stellenwert einnehmen. Um jedoch eine Verengung der Sichtweise auf die Quartiersebene zu vermeiden, wurden bewusst Konzepte von Bildungslandschaften mit größerem geographischem Bezugsraum (z.B. Kommunale Bildungslandschaften oder Lernende Regionen) in die Recherche einbezogen.

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